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Veranstaltung

Wie europäisch ist Hamburgs Kultur? Vielfalt und Reichtum des Hamburgischen Kulturerbes

Dienstag, 24.04.2018, 18:00 Uhr

Sei es das Portugiesenviertel, der dänische Klassizismus der Elbvororte, die Franzosenbrücke in Billstedt oder die Englische Kirche am Zeughausmarkt: Kulturerbe umgibt uns nicht nur in Naturlandschaften oder archäologischen Städten, sondern auch bei uns vor Ort in Hamburg. Kulturdenkmäler sind dabei Ausdruck unserer gemeinsamen Geschichte und unserer gemeinsamen Werte. Sie stehen für den Reichtum und die Vielfalt der kulturellen Traditionen Europas.

Wie europäisch ist Hamburgs Kultur? Welchen Stellenwert nimmt Denkmalschutz ein und mit welchen Schwierigkeiten ist die Erhaltung von Kulturerbe verbunden? Nach Antworten auf diese und weitere Fragen wurde auf der Podiumsdiskussion am 24. April 2018 im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe, zu der der Info-Point Europa Hamburg gemeinsam mit dem Denkmalschutzamt und der Senatskanzlei Hamburg eingeladen hatte, gesucht.

Teilnehmer der Diskussion, die von der Journalistin Isabelle Wildberger (NDR) moderiert wurde, waren Andreas Kellner, Leiter des Hamburger Denkmalschutzamtes, Prof. Dr. Lisa Kosok, Professorin für Kulturerbe und Museumswissenschaften an der HafenCity Universität Hamburg, Dr. Sebastian Giesen, Geschäftsführer der Hermann-Reemtsma-Stiftung und Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel, Vorsitzende der Patriotischen Gesellschaft von 1765.

Vor der Vorstellung der DiskussionsteilnehmerInnen verwies Moderatorin Isabelle Wildberger auf das Europäische Kulturerbejahr 2018, das unter dem Motto „Sharing Heritage“ steht. Anschließend machte Sie das Publikum mit dem britischen Ingenieur William Lindley, der maßgeblich an der Gestaltung der Hamburger Wasserversorgung und Stadtplanung im 19. Jahrhundert beteiligt war, bekannt. Am 7. September 2018, zur Feier des 210. Geburtstags William Lindleys, werde die Hochschule für angewandte Wissenschaft (HAW) in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutzamt eine App veröffentlichen, die William Lindley digital zum Leben erwecke. Einen kleinen Vorgeschmack auf diese App, die es den NutzerInnen ermöglichen soll, Lindleys Leistungen auf eine spannende Art und Weise zu entdecken, bot ein kleiner Einspieler: ein animierter Lindley berichtete über seine Erfahrungen in Hamburg und stellte klar, wie essentiell gemeinsame Anstrengungen, der Austausch mit anderen EuropäerInnen und die Bereitschaft, neue Wege einzuschlagen, für die Realisierung lohnenswerter Projekte sei.

Die Diskussionsrunde nahm ihren Anfang mit einer Einleitung Andreas Kellners, der einige Orte nannte, die verdeutlichen, dass Hamburg das Tor zur Welt sei. Dazu gehören beispielsweise die Befestigungsbauwerke holländischen Ursprungs, der jüdische Friedhof in Hamburg-Altona, dessen Entstehung auf portugiesische Kaufleute des 17. Jh. zurückgehe und eben auch die Infrastrukturen aus dem 19. Jahrhundert, die Lindley zu verdanken seien. Andreas Kellner betonte, dass die europäischen Bezüge jedoch nicht immer spannungsfrei gewesen seien, was zum Beispiel am jüdischen Friedhof, der zu damaligen Zeiten nur außerhalb der Stadt geduldet war, deutlich werde. Andreas Kellner halte es für wichtig, Geschichts- und Heimatbewusstsein mit Weltoffenheit zu vereinen: Heimatgefühl und eine ausgeprägte hanseatische Identifikation widerspräche nicht der Einstellung, kulturelle Einflüsse von außen als Bereicherung anzusehen.

Anschließend äußerten die DiskussionsteilnehmerInnen ihre Erwartungen an das Europäische Kulturerbejahr 2018. Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel wünsche sich, dass den Menschen deutlich werde, „was für ein Pfund europäisches Kulturerbe ist“: Den BürgerInnen solle der Wert der vielfältigen europäischen Kultur bewusst werden. Laut Prof. Dr. Lisa Kosok könne das Europäische Kulturerbejahr dazu dienen, sich kultureller europäischer Eigenarten zu vergewissern. Nicht nationale Identitäten, sondern europäische Kulturen sollten identifiziert werden. Sebastian Giesen wünsche sich, dass auch momentan sichtbar werdende Tendenzen zum Bestehen auf nationale Wurzeln respektiert würden. Für ihn sei gegenseitiges Verständnis das Ziel.

Andreas Kellner betonte, dass unsere Kultur von Austausch geprägt sei und dass besonders der Fokus auf jüngere Generationen wichtig sei. Prof. Dr. Lisa Kosok stellte klar, dass zwischen den verschiedenen Generationen unterschiedliche Sichtweisen auf Europa vorherrschen. Damit auch nachfolgende Generationen Kulturerbe erleben können, sei es wichtig, Spuren der Architektur zu erhalten und Städte „lesbar“ zu lassen. Der Abriss von Gebäuden verhindere dies. Auch laut Dr. Ingrid Nümann-Seidewinkel variiere die Einstellung zu Kulturerbe zwischen den Generationen. Sie sei sich sicher, dass kommende Generationen sich für Gebäude und Baustile begeistern können, die ihr persönlich nicht gefallen.

Dass die Erhaltung von Gebäuden und Kulturerbe nicht immer problemlos sei, verdeutlichte Andreas Kellner. Das Denkmalschutzamt setze sich für die Erhaltung von Architektur und Stadtbild ein, sei aber immer von Entscheidungen der politischen Vertreter abhängig. Sebastian Giesen vertritt die Meinung, für die Erhaltung von Gebäuden bedürfe es engagierter Menschen, die sich für diese Häuser einsetzen. Hierzu seien emotionale Bindungen zu diesen Bauwerken notwendig. Andreas Kellner verwies darauf, dass auch die rechtliche Rahmensetzung des Denkmalschutzes eine wichtige Rolle spiele. Diese sei von Land zu Land unterschiedlich. Sebastian Giesen nannte als Beispiel die Niederlande, in denen die Schönheit eines Gebäudes das primäre Kriterium für dessen Erhaltung sei, Andreas Kellner ergänzte dies mit Beispielen aus Frankreich, wo das Alter des Denkmals ausschlaggebend sei und aus der Schweiz, wo der Gesellschaft ein Mitspracherecht bis vor das Gericht zustehe.

Im Hinblick auf die Frage, was denn das „Europäische“ eigentlich ausmache, waren sich die DiskussionsteilnehmerInnen nicht vollends einig. Prof. Dr. Lisa Kosok vertritt die Meinung, dass „das Europäische“ gar nicht eindeutig definierbar und die Definition von unterschiedlichen Kriterien, wie beispielsweise Geografie, Geschichte und Kultur, abhängig sei. Für Sebastian Giesen bedeute Europa die Vielfalt nebeneinander; Andreas Kellner nannte ebenfalls die Vielfalt, zöge den Begriff „Miteinander“ aber dem „Nebeneinander“ vor.

Die Moderatorin Isabelle Wildberger verwies abschließend noch einmal auf das Europäische Kulturerbejahr 2018 und die dazu gehörige Homepage www.sharingheritage.de, auf der zahlreiche Beispiele für europäische Kultur in Hamburg zu entdecken sind.


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